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Der Wagen 371 stammt von der SZB (Solothurn-Zollikofen-Bern, heute RBS = Regionalverkehr Bern - Solothurn) und wurde dort im Vorortverkehr von Bern eingesetzt. Standort der Bahnwerkstätten dort ist Worblaufen.
Der 1916 von der SIG (schweizerischeIndutrie-Gesellschaft, Neuhausen) erbaute zweiachsige Wagen ist in klassicher Weise auf einem stählernen Rahmen in Holz-Fachwerkbauweise erstellt. Die Seitenwände sind außen mit Blech verkleidet. Die sechs Fenster je Seite sind rahmenlose Versenkfenster typisch schweizerischer Bauart. Auch das Wandsegment am Dachende über den Bühnen ist für die Bauepoche des Wagens ein typisch schweizerisches Accessoire.
1973 wurde für den Einsatz in historischen Zügen in ein Abteil eine kleine, einfach ausgestattete Bar eingebaut, während das andere als Gastraum diente. Hier wurden die Sitzgarnituren mit einfachen Tischen ergänzt, die fest im Wagen verankert sind.
1986 wurde der Wagen vom Jagsttalbahnfreunde e.V. erworben und nach Dörzbach transportiert. Bei der badischen Lokomotivfabrik Gmeinder (Mosbach) wurden für den ursrünglich meterspurigen Wagen neue Radsätze für die Spurweite 750 mm beschafft, damit der Wagen auf der Jagsttalbahn eingesetzt werden kann. Auch wurde er mit einer Druckluftbremse ausgestattet. Wegen der Betriebseinstellung der Jagsttalbahn Ende 1988 konnten in Dörzbach keine weiteren Arbeiten ausgeführt werden.
Die weitere Aufarbeitung erfuhr er 1991 bei der MaLoWa Bahnwerkstatt in Benndorf, danach wurde er für die Dauer der Frist bei der Mansfelder Bergwerksbahn eingesetzt. Dort war er unter der Nummer 0040 eingereiht. 2001 kehrte er ins Jagsttal zurück und wurde in Bieringen abgestellt.
Die nachfolgende Galerie zeigt einige Bilder des Wagens im Zustand vor Beginn der Arbeiten 2010.
Aufarbeitung ab 2010
Der Wagen wurde im November 2009 von Bieringen nach Dörzbach transportiert. Am Abend des 17. April 2010 war es dann soweit - der Wagen konnte kurz vor Feierabend in den Lokschuppen in Dörzbach einziehen. Durch die für einen schmalspurigen 2-Achsigen Wagen doch recht beachtlichen Abmessungen war es an mancher Stelle etwas eng und Kisten anderes „Lokschuppenmobiliar“ mussten beiseite geräumt werden. Dieser Abend war der Startschuss für die Aufarbeitung.
Die Aufarbeitung begann dann auch bald darauf mit Demontagearbeiten. Als erstes war die Theke dran. Die vorhandene bot keine Kühlmöglichkeit und war auch nicht gerade eine Schönheit - bestand sie doch aus einem Gestell mit aufgeschraubten Spanplatten, das Ganze dann kunstvoll mit aufgemalter Holzmaserung verschönert. Die neue Theke soll eine Kühltheke werden. In den Bahnhöfen können dann mit einer Stationären Stromversorgung die Getränke auf Trinktemperatur gehalten werden. Bei der Ausstattung des Wagens werden wir mit der Brauerei Distelhäuser zusammenarbeiten.
Nachdem die einfach -weil sowieso für die Entsorgung vorgesehenen- zerlegbaren Teile demontiert waren, ging es an die restliche Innenausstattung und die Innenverkleidung. Hier war etwas mehr Vorsicht geboten, die Teile sollen schließlich aufgearbeitet werden. In einer Arbeitswoche im Mai 2010 ging es in großen Schritten voran. Während oben die alte Dacheindeckung - eine Mischung aus Leinengewebe, Bitumenschweißbahnen, Blechstücken und jeder Menge Nägeln - in gitterboxgerechte Stücke verarbeitet wurde, wurde die Innenverkleidung Stückweise abgeschraubt, nummeriert und in Kisten verpackt, um die Teile erst mal im Güterschuppen einlagern zu können. Nach der Innenverkleidung ließen sich auch die Versenkfenster mit ihrem Mechanismus ausbauen. Dann ging es mit der Außenverkleidung aus Blech weiter.
Und hier bestätigten sich auch die Befürchtungen, die die teilweise extreme Leichtgängigkeit mancher Schrauben bei der Demontage hatte aufkommen lassen: Die tragenden Holzbalken haben über die Jahre im Bereich der Fenster, wo Regenwasser in die Wand eindringen kann, ziemlich gelitten.
Nach dem vollständigen Entfernen der Verkleidung ging es an das Messen und Zeichnen. So konnte inzwischen ein nahezu vollständiger Satz Zeichnungen des Wagenkastens erstellt werden.
Weiterhin wurden auch die Böden der Einstiegsbühnen, die Übergangsbleche und Bühnengeländer demontiert. Im Wageninnern wurde der PVC-Bodenbelag entfernt, der Holzboden darunter ist in einem erstaunlich guten Zustand. Doch er musste trotzdem ausgebaut werden, da die unteren Längsbalken der Seitenwände in einem sehr schlechten Zustand sind und ausgetauscht werden müssen. Und auf eben diesen Balken liegen die Bodenbretter auf…
Auch die alte Elektroinstallation wurde komplett entfernt. Sie stammte noch aus der Zeit, als der Wagen auf der Solothurn-Zollikofen-Bern-Bahn unter Fahrdraht unterwegs war. Unter anderen verfügte der Wagen über eine Elektrische Heizung. Da wir im Jagsttal die gesamte elektrische Energieversorgung mit Akkumulatoren bewerkstelligen müssen, ist die Elektrische Heizung wegen ihres hohen Stromverbrauchs keine praktikable Lösung. Ganz abgesehen davon entsprachen die verlegten textilummantelten Kabel nicht mehr so ganz dem Stand der Technik. Der Wagen wird daher auch eine komplett neue Elektroinstallation erhalten.
Derzeit (Stand Januar 2011) ist das Dach abgehoben und die Seitenwände und der Boden sind zerlegt. Der nächste Schritt ist das Abbauen aller Anbauten des Rahmens (Radsätze, Bremsanlage...) um diesen entrosten und neu lackieren zu können.
Stand November 2011
Zunächst ging es noch mit dem Auseinanderbauen weiter. Das Bremsgestänge wurde demontiert, hier ein Bild, das als Montagehilfe für das „Puzzle“ entstanden ist. Die Teile wurden zwischenzeitlich beschriftet und eingelagert. Die Bremsanlage ist jetzt vollständig demontiert. Zwischenzeitlich wurden auch nicht mehr benötigte Profile, die den Bodenbelag der Einstiegsbühnen gehalten hatten, entfernt. Die Trittstufen wurden abgebaut weitere Anbauteile am Rahmen abgeschraubt.
Doch jetzt zu den ersten neuen Teilen und zu dem Werkstoff, der bei so alten Fahrzeugen noch eine wichtige Rolle spielt: Holz. Der gesamte Aufbau des Fahrzeugs besteht aus einem Holzfachwerk, das mit Blech verkleidet ist. Viele dieser Balken werden wir ersetzen (müssen). In Dörzbach müssen nun noch die Zapfen an den Enden der Balken ausgesägt und die runden „Ecken“ vom Fräsen mit dem Stechbeitel eckig gemacht werden. Ein Element wurde probehalber zusammengebaut, es ist auf den Bildern zu sehen. Als nächstes werden die Teile zu den Elementen, die sich jeweils zwischen den Fenstern befinden einbaufertig vormontiert.
Stand Januar 2012
Über den Winter hat sich einiges am Aufbau des Wagens getan. Die neuen Längsbalken, auf denen die Seitenwand steht, wurden eingepasst und anschließend die Seitenwände mit den schon vorgfertigen Teilen aufgebaut. Derzeit werden die ebenfalls aufgearbeiteten Winkel zur Versteifung der Seitenwände eingeschraubt und die Sanierung des Dachs läuft an. Hier müssen einge Bretter, insbesonder im Bereich der Bühnen, ersetzt werden.
Auch im Bereich des Rahmens waren wir nicht untätig. Sobald die Temperaturen eine Lackierung zulassen, kann er gestrahlt werden.
Parallel dazu beginnen de ersten Arbeiten an Anbauteilen, um die weiteren Restaurationsschitte festlegen zu könen. So wurden einer der Außenfensterrahmen entlackt und die Winkel, die den Dachüberstand zusammenhalten, entrostet und grundiert. Zuletzt bearbeitet: 22:09 31/01 2012 |
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